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Liebes Jacky-Tagebuch

Veröffentlicht am 22.10.2015

Buchmesse Reloaded: Ich treffe Autoren!

Da bin ich also. In Frankfurt. Auf der Buchmesse. Aber abgesehen vom ultimativen Buchfindungserlebnis, liegt mein Schwerpunkt eigentlich darauf, endlich all die wundervollen Autoren zu treffen, die mir in den letzten Monaten virtuell, an mein ziemlich reales Herz gewachsen sind.  Treffpunkt 13 Uhr, Stand B irgendwas, kann ja so schwer nicht sein.

Wir sind wieder mittendrin im Strom der Buchstabenjunkies und aus meiner Perspektive sehe ich: Rücken. Viele Rücken. Links und rechts vom Weg vermute ich Stände mit Büchern, aber sicher sagen kann ich es nicht. Nicht einmal ein jagdlich ausgebildeter Hund könnte mir helfen den gesuchten Ort zu finden, denn bereits nach wenigen Minuten würde der winselnd in der Ecke liegen und beten, dass er zumindest einen Großteil der Gerüche irgendwann wieder vergessen kann. Aber meine Motivation ist groß und mein Überlebenswille bisher ungebrochen.  Hier kommt mir unerwartet etwas zugute (mal abgesehen vom Zombiesurvivaltraining), was ich lange verdrängt hatte:  Pinball am C64. Ein gezieltes Rempeln mit Bande hier und einen kleinen Schubser da und ich erreiche meinen persönlichen Highscore, was in diesem Fall bedeutet:  Freiheit am Rand des Ganges. Endlich sehe ich all die Bücher und auch die Standnummern sind nun zu erkennen. Nur noch ungefähr drei Gänge weiter. Nur noch. Klingt so leicht, aber in Wirklichkeit hätte ich auch sagen können:  Ich gehe nur mal eben nach Mordor, eben den Ring den ich eben noch auf hatte, in den komischen Berg werfen und fertig.

Nach vier Minuten fühle ich mich wie in einer Parfümerie. Nur halt mit Büchern. Ab der vierten Duftprobe riecht alles nach Klostein.  So ist es mit Büchern auch. Drei Stände weiter verschwimmen die Cover und ich könnte nicht mal sagen, ob vor mir ein Kinderbuch oder die Gelben Seiten von Stockholm liegen. Im Sekundentakt verabschieden sich Gehirnzellen und ich bekomme eine Ahnung davon, wie sich die Leute in den 70ern in Diskotheken auf LSD gefühlt haben.

Da man an dem Samstag eh keine Bücher kaufen kann, beschließe ich ihnen keine weitere Aufmerksamkeit zu schenken. Langsam nähern wir uns unserem Ziel und endlich kann ich es sogar sehen.  Das viel größere Problem als dort hin zu finden ist: selbst wenn die Autorin von Shades of Grey mich an einen der Messestände fesseln würde und Frau Rowling auf meinem Rücken den zehnten Band von Harry Potter schreiben würde, ich würde sie kaum von der Imbissverkäuferin unterscheiden können die 3,20 Euro für eine Cola haben will. Denn eins zeichnet Autoren besonders aus: sie sehen einfach sehr normal aus. Klar, ich habe Fahndungsfotos von meinen Kollegen gesehen, aber meine Datingerfahrung hat mich ja bereits eindrucksvoll gelehrt, dass das gar nichts sagt.  Doch dann entdecke ich die ersten. Mit leuchtenden Augen liegt man sich in den Armen und es fühlt sich gar nicht fremd an. Immer mehr wundervolle Autoren tauchen auf und ich nähere mich erneut der Schnappatmung vor Freude. Bücher und Karten werden ausgetauscht und einige muss ich immer wieder anfassen weil ich sie so unfassbar putzig finde. Auf den Schildern an ihren Klamotten steht „Autor/in“. Das beeindruckt mich sehr. Denn auf meinen Schildern steht nur „ mit ähnlichen Farben waschen“. Nach all dem was in den letzten Monaten so passiert ist, all dem Neid unter Autoren. Dem mimimimi „er hat mehr verkauft als ich,aber er riecht nach Kuh“ Theater, stehe ich jetzt in mitten einem bunten Haufen Autoren und fühle mich PHANTASTISCH und absolut angekommen. Und dann passiert etwas womit ich so schnell nicht gerechnet habe: ich fühle mich wie eine von ihnen, und nächstes Jahr, trage ich ein Schild auf dem steht: „ Fräulein Jacky D , Autorin! (bitte nicht anfassen)“ Danke an alle für den schönen Tag und ich freue mich auf das restliche Pack von euch:-)