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Liebes Jacky-Tagebuch

Veröffentlicht am 21.10.2015

Ich fahre zur Buchmesse

 

Das Buch ist geschrieben, damit ist klar: ich muss zur Buchmesse nach Frankfurt. Warum weiß ich nicht so genau aber das gehört wohl dazu. Um nicht verloren da herum zu irren, ordere ich einen Autorenkollegen aus Hamburg. Jung und ohne Plan, damit ergänzen wir uns perfekt, denn bis auf das jung, erfülle ich die gleichen Voraussetzungen.  Am Eingang verabreden wir uns mit einem richtigen echten Verlagsautoren.  Ok, wir waren auch schon vorher befreundet aber irgendwie pimpt das ja die eigene Person wenn man ihn so vorstellt.  Taschenkontrolle vor Einlass. Fröhlich berichte ich, dass ich außer Lutschern und Brause keine Waffen dabei habe. Nicht mal ein Laserschwert.  Man klärt mich auf das Laserschwerter aber sehr wohl erlaubt gewesen wären. So macht man sich keine Freunde liebe Frankfurter. Ich wische also tapfer die Tränchen weg, weil ich das jetzt erst erfahre und gehe zum Eingang. Das Ticket wird gescannt, ich setze einen Fuß aufs Messegelände und innerhalb von Nanosekunden ist es exakt wie der Moment, wenn Frodo den EINEN  Ring aufsetzt. Ich werde von einer Menschenmasse verschluckt und so oft angerempelt das klar ist: ich bin unsichtbar,  in einem Paralleluniversum. Nur das physische, das bekomme ich leider noch mit. Glücklicherweise sind meine Begleiter keine Hobbits und als ich mich verzweifelt umsehe, kann ich sie zumindest in der Menge entdecken. Erreichen zwar nicht, aber ich habe das beruhigende Gefühl das mich zumindest jemand identifizieren kann, wenn ich zerdrückt worden bin. Wir hatten keinen Plan wo lang wir gehen, und jetzt ist klar: den brauchen wir auch nicht. Wie ein Haufen unkastrierter Lemminge laufen wir dort  hin wo der Rest halt auch hin will, im Schritttempo einer japanischen Geisha. Die mit den winzigen Füßen und den Holzschuhen.   Plötzlich ein vertrautes Logo. Mein Selfpublisher Verlag. Auf einer Messe in einer fremden Stadt etwas zu entdecken was man kennt,  ist wie eine Oase in der Wüste zu finden. Mühsam und unter Einsatz der Ellenbogen kämpfen wir uns aus dem Strom. Ein großer runder Tisch mit einem Haufen Bücher. Ob ich nachsehen will, ob mein Buch dazwischen steht.  Ich glaube lieber nicht. Kann ja auch gar nicht. Bin ja kein Verlagsautor bei denen. Mein Puls ist vermutlich eh schon von außen sichtbar. Und das trotz dem Vorbau. Weil ich so ein Feigling bin, beschließen meine Begleiter mal nachzufragen. Aber noch während ich auf der Suche nach einem Versteck bin und meine Synapsen damit ausgelastet sind mein Gesicht rot anlaufen zu lassen, tippt mir wer auf die Schulter und ich höre die Worte: „ Da ist es!“ In gefühlter Zeitlupe drehe ich mich um und dort, an der Wand mit den Büchern, auf der Frankfurter Buchmesse, steht: MEIN BUCH. DREI MAL.  Niemals mehr vergesse ich dieses Gefühl! Es ist sogar NOCH besser als der Moment in dem ich entdeckte das man Bacon hervorragend mit Schokolade überziehen kann, und ich dachte damals schon, das wäre das absolut schönste Gefühl im Leben. Tränen kullern über mein Gesicht und die Gelenkstabilität in meinen Knien scheint akut nachzulassen.  Ich kann es einfach nicht glauben. Offensichtlich sieht man mir meine Fassungslosigkeit an, denn eine fremde Frau neben mir fragt mich ob ich mein eigenes Buch entdeckt habe. Stumm nicke ich und tropfe dabei noch immer aus den Augen. „Welches isses denn?“ Ex und Hopp! nuschel ich. „Ach das, ja da hab ich aber ja schon viel von gehört!“ sagt sie und lächelt mich an. Da erbrechen in den Frankfurter Kulturkreisen vermutlich nicht zum Ausdruck von Freude gehört, bin ich bemüht meinen Mageninhalt in mir drin zu lassen. Schwierige Aufgabe. Ich bin Alice in meinem ganz persönlichen Wunderland. Zwinge meine Begleiter mich zu umarmen um halbwegs wieder auf den Boden zu kommen. Das Schluchzen stoppt das aber leider nicht. Aber in der Menge sieht das zum Glück niemand, also werfen mir uns mutig zurück in den Strom und ich winke meinen drei Ausstellungsexemplaren zum Abschied.  Geht hinaus in die Welt ihr kleinen Bücher. Und morgen liebes Tagebuch, erzähle ich wie es ist, richtige echt Autoren zu treffen.